Am Alex entsteht ein Berlin im Miniaturformat

Albert Einstein sitzt auf dem Fahrrad, Marlene Dietrich singt auf der Bühne und Burkhart Veigel wartet Zigarette rauchend an seinem Cadillac. Es sind kleine Figuren mit großer Geschichte, vertrauten und weniger bekannten. Und alle spielen sie in Berlin. Veigel etwa hat in seinem Oldtimer in den 60er-Jahren insgesamt 120 Menschen aus der DDR und anderen Ostblock-Staaten über die Grenze geschmuggelt, versteckt im umgebauten Armaturenbrett seines Wagens. Der heute 87-Jährige war damals Passfälscher, und er baute geheime Fluchttunnel. Auf diesem Wege gelangten 650 DDR-Bürger nach West-Berlin.

 

In diesem Sommer wird Burkhart Veigel mit seinem Cadillac neben 5000 weiteren Menschen in Miniformat in einer Ausstellung zu sehen sein. >Little Big City heißt das neueste Projekt der Merlin Entertainments Group, die weltweit über 100 Besucherattraktionen betreibt. In Berlins Mitte sind das etwa Madame Tussauds, das SEA LIFE & Aquadom, LEGOLAND® Discovery Centre und Berlin Dungeon. Nun kommt die fünfte Besucherattraktion hinzu, die Miniaturwelt Little BIG City.

Miniwelt größer als gewöhnlich

Im Sockelgebäude des Fernsehturms am Alex eröffnet die neue Attraktion im Sommer  auf einer Fläche von 1500 Quadratmetern. „Der Besucher erlebt Berlin in vielen verschiedenen Zeitepochen und trifft bedeutende Persönlichkeiten“, sagt General Manager Anja Nitsch. Ungewöhnlich ist dabei vor allem die Größe der Sehenswürdigkeiten und Personen. Verwenden andere Miniaturwelten in der Regel einen Maßstab 1:87, das ist eine gängige Größe im Modellbahnbau (H0), hat sich Merlin für einen Maßstab von 1:24 entschieden. Figuren und Gebäude sind größer und Details besser erkennbar.

Vor 18 Monaten begannen die Mitarbeiter, die Ausstellung zu konzipieren. Es ging ihnen nicht darum, die komplette Geschichte der Stadt im Miniformat abzubilden, (…)

Von Mittelalter bis Mauerfall

Also konzentriert sich die Schau auf sieben Epochen. Das sind die Anfänge im Mittelalter, dem Bau des Stadtschlosses und dem Alten Fritz. Es folgt die Zeit der Industrialisierung. Die Borsig-Werke werden gebaut und Lilienthal testet seine Flugapparatur. Die 20er-Jahre in der Weimarer Republik sind ebenso dargestellt wie der Reichstagsbrand im Jahr 1933, der Zweite Weltkrieg, die zerstörte und später geteilte Stadt mit Mauerbau und Fluchthelfern wie Burkhart Veigel.

Aus alten Stadtplänen und mit Hilfe von Fotos haben etwa 50 Mitarbeiter in den Londoner Werkstätten von Madame Tussauds die Ausstellung am Computer erstellt, Figuren und Gebäude wurden dann am 3-D-Drucker gefertigt und in Handarbeit angemalt.

Einstein, Dietrich, Bowie

Wer die einzelnen Szenen der Berliner Stadtgeschichte später genau betrachtet, wird inmitten der vielen Menschen einige Prominente sehen, die mit der Geschichte der Stadt eng verbunden sind, neben Einstein und Dietrich auch David Bowie und David Hasselhoff. Hilfreiche Erklärungen auf Deutsch und Englisch werden in die Szenerie eingearbeitet, könnten also etwa auf kleinen Transparenten stehen oder auf der Plane eines Lasters. Über die Kosten der Ausstellung will der Konzern nichts sagen, von einem siebenstelligen Betrag ist die Rede. Unklar ist noch, wie viel der Eintritt kosten wird, der Preis soll sich an dem der anderen Einrichtungen orientieren.

 

Aus der Berliner Berliner Zeitungs vom 11. Januar 2017.

Quelle